10. Tag: Heiterwandhütte — Tarrenz

Alpendurchquerung

Datum: 4. August 2014

Von der Heiterwandhütte gibt es zwei Wege zur Anhalter Hütte: den Nordwand- und den Südwandsteig. Wir haben uns an der Südseite versucht — und mussten das Unternehmen abbrechen und nach Tarrenz absteigen. Einmal haben wir die Länge unterschätzt, für das erste Drittel — eine sehr schwierige Querung — haben wir fünf Stunden gebraucht. Vor uns wäre dann ein Gegenanstieg von 700 HM gelegen und eine weitere lange Querung. Als sich dann noch Regen ankündigte, beschlossen wir, ins Tal abzusteigen. Ich hab also auf der Anhalter Hütte angerufen und Bescheid gegeben, dass wir einen Tag später kommen. Tarrenz hat uns mit einem richtigen Hotelbett und einem sehr guten Abendessen entschädigt.

Wegstrecke: Von der Heiterwandhütte geht ein mit roten Punkten markierter Steig Richtung Südwesten weg (nicht der Hauptweg ins Alpeiltal hinab). Der sogenannte Südwandsteig führt auf etwa gleichbleibender Höhe durch unzählige Tobel hindurch, bei denen von Weg nicht mehr gesprochen werden kann. Auf der Anhalter Hütte sagte man mir dann, dass der alte Weg jedes Jahr mit der Schneeschmelze weggespült wird und dann neu gesucht werden muss. So ist es auch: Man steigt durch lockeres Geröll und Felsen irgendwie hinein und irgendwie wieder raus. Dabei ist es immer abschüssig, glatt und oft ernsthaft absturzgefährdet. Landschaftlich ist das Ganze sehr reizvoll, auch das sei gesagt.

Nach der Querung kommt ein mit rostigen Ketten mehr schlecht als recht gesicherter Abstieg um 500 HM. An einem tiefen Taleinschnitt mit Bach geht es entweder bergab Richtung Tarrenz (unser Weg) oder zum erwähnten 700-HM-Gegenanstieg. Den weiteren Verlauf kann ich nicht beschreiben. Auf der Hütte sagte man mir, der Rest sei einfacher.

Höhendifferenz:  200 HM+, 1400 HM-

Zeit: 8h (bis Tarrenz)

Schwierigkeit: Der Südwandsteig ist schwer, rutschig, oft ernsthaft absturzgefährdet, schlecht markiert, lang und anstrengend. Nur für wirklich erfahrene Bergsteiger, die im schwierigen Gelände sich selbst den Weg suchen können. Und nur bei besten Wetterverhältnissen — Regen steigert die Gefahr, Nebel oder Gewitter sind fatal. Wanderer oder Familien sollten den Nordwandsteig wählen.

Wetter: Morgens schön, gegen Nachmittag Regen.

Einkehr: Mehrere Hotels in Tarrenz, wir waren mit Bett und Essen sehr zufrieden im Lamm. In Obertarrenz gibt es keinen Gasthof mehr.

Am Grubigjöchl, Blick auf den Kienberg
Aufbruch bei schönem Wetter an der Heiterwandhütte.

Der Südwandsteig
Harmloser Beginn des Südwandsteigs

Tobel
Ein Tobel

Tobel
Tobel mit Klettereinlage

Tobel
Hier geht es durch das schwarze Geröll hinein und dann durch das steile, feine Geröll links sehr anstrengend wieder heraus.

Tarrenz
Blick vom Hotel auf Tarrenz

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